Psoas-Drama & Peinlichkeiten: Warum der Krieger 1 dein Becken rettet
Der Krieger, der Klaus und das Kreuz mit dem Sitzen
Die Yogastunde ist vorbei. Ich rolle gerade meine Matte zusammen und fühle mich eigentlich ziemlich gut. So „Lehrer-mäßig“ gut. Weise. Erhaben. Da sehe ich Klaus. Klaus ist das Gesicht der „Generation Schreibtisch“: acht Stunden sitzen, zwei Stunden Pendeln und eine Lendenwirbelsäule, die bei jeder Bewegung Geräusche macht wie eine alte Kieslaster-Bremse.
Er schlurft zu mir rüber, die Hand im unteren Rücken vergraben.
Klaus: „Du, Chris… dieser Krieger 1. Der Orthopäde meinte ja, mein Problem ist irgendso ein Psoas Ding . Der wäre verkürzt wie ein zu heiß gewaschener Wollpulli. Und vorhin im Krieger, da hat’s in der Leiste gezogen wie Hecht. Ist das gesund oder mach ich mir da gerade die letzte Bandscheibe auch noch kaputt?“
Das Drama im Untergrund: Ein Abschleppwagen namens Psoas
Ich sehe meine Chance für einen großen pädagogischen Moment. Ich will Klaus gerade erklären, dass sein Iliopsoas (der große Hüftbeuger) durch das ganze Sitzen sein Becken kidnappt und ihn ins Hohlkreuz (oder im Fachchinesisch auch Hyperlordose genannt) zwingt.
Mein Geist meldet sich aus der Zentrale: „Chris! Jetzt mach hier net de Professor. Erklär’s ihm einfach mit Bilder, bevor de Klaus vor lauter Fachchinesisch noch eingenickt is!“
„Pass auf, Klaus“, sage ich und will besonders dynamisch demonstrieren, wie wichtig das parallele Becken und die gehobene Ferse sind. „Wir lassen die Ferse oben, damit wir den Psoas dehnen und den unteren Rücken schützen. Schau mal auf meine Füße…“
Gleisbau und Scheinwerfer: Die Anatomie des Helden
Ich stelle mich stabil hin. „Stell dir vor, Klaus, deine Füße stehen nicht auf einem schmalen Drahtseil. Wir bauen hier Bahnschienen. Der linke Fuß auf dem linken Gleis, der rechte auf dem rechten. Schön breit, damit das Fundament nicht wackelt.“
Klaus schaut an sich herunter und korrigiert seinen Stand.
„Und jetzt“, fahre ich fort, „stell dir vor, dein Becken hat zwei dicke Scheinwerfer vorne drauf. Wie bei einem alten Cadillac. Wenn du die Ferse flach abstellst, wie man das auf Postern sieht, schielen deine Scheinwerfer zur Seite weg. Aber wir wollen die volle Beleuchtung nach vorne! Wenn die Ferse oben bleibt, strahlen die Scheinwerfer geradeaus. Erst dann kriegt dein Psoas den Zug ab, den er braucht, um dein Becken wieder aus dem Hohlkreuz-Gefängnis zu befreien.“
Der Moment, in dem der Krieger zum Clown wurde
Ich will gerade den „Ultimativen Scheinwerfer-Moment“ präsentieren und dabei besonders tief in den Ausfallschritt gehen. „Siehst du, Klaus? Die Kraft kommt von unten, das Becken ist stabil, die Wirbelsäule lang…“
In diesem Moment passiert es. Ich wollte wohl zu viel „Yoga-Lehrer-Eleganz“ auf einmal. Meine Socke (ja, ich hatte die Socken nach dem Unterricht wieder angezogen) verliert auf dem frisch gewischten Parkett jegliche Haftung. Mein hinteres Bein rutscht weg, als stünde ich auf einer Bananenschale.
Mit einem Geräusch, das eine Mischung aus einem unterdrückten Fluch und einem sterbenden Dudelsack ist, lande ich im Fast-Spagat auf dem Boden. Meine „Heldentasse“ mit dem restlichen Kräutertee, die ich strategisch günstig neben der Matte geparkt hatte, verabschiedet sich mit einem eleganten Bogen über mein Shirt.
Mein Geist: „Ei super, Chris! Des war jetzt eher de ‚sterbende Schwan‘ als de ‚stolze Krieger‘. Hast de fein gemacht. Jetzt haste das Becke auf jede Fall mal… tief. Und nass.“
Klaus starrt mich an. Eine Sekunde lang ist es totenstill. Dann fängt er an zu prusten. „Chris“, sagt er und wischt sich eine Lachträne aus dem Auge, „der Orthopäde meinte zwar, ich soll mich bewegen, aber er hat nicht gesagt, dass ich dabei den Boden wischen soll.“
Ich rappele mich auf, klatschnass und mit der Würde eines begossenen Pudels. „Siehst du, Klaus“, sage ich und versuche verzweifelt zu retten, was zu retten ist, „das war… äh… eine Fortgeschrittenen-Variante. Zur absoluten Dehnung des Psoas. Nicht zur Nachahmung empfohlen, wenn man danach noch trockene Termine hat.“
Fazit: Ein Krieger mit Humor und Gleisanschluss
Trotz des unfreiwilligen Spagats hat Klaus es verstanden. Yoga ist keine Schmerztablette, sondern Arbeit am System. Wenn der Psoas durch das viele Sitzen zieht, müssen wir ihn kontrolliert dehnen.
- Fester Stand: Füße auf Bahnschienen, nicht auf dem Drahtseil.
- Scheinwerfer vor: Das Becken parallel ausrichten, um den unteren Rücken zu entlasten.
- Ferse hoch: Damit der Hüftbeuger die Dehnung abbekommt und nicht das Hohlkreuz gewinnt.
- Grip-Check: Mache niemals den Krieger in Socken auf Parkett, wenn du danach noch ernst genommen werden willst.
Mein Geist: „Du, geh jetzt heim und zieh dir was Trockenes an. Und nächstes Mal machste de Krieger wieder barfuß, du Yoga-Spezi!“
Ich packe meine nasse Matte ein. Mein Psoas ist gedehnt, mein Ego geschrumpft, aber Klaus kommt nächste Woche wieder. Mission erfüllt.


Das ist einfach nur köstlich, lieber Chris!
Dankeschön dafür💚
Liebe Inga, ich danke Dir für das Feedback.